Behinderungsursachen und Beschäftigungssituation

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bewegt sich die Anzahl der Menschen mit Schwerbehinderung in Deutschland seit Jahren auf einem Niveau im hohen einstelligen Millionenbereich. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ist dies jede elfte Einwohnerin beziehungsweise jeder elfte Einwohner. Von einer Schwerbehinderung spricht man bei einem Grad der Behinderung (GdB) ab 50. 

Bundesweit sind knapp zwei Fünftel der Menschen mit Schwerbehinderung im erwerbsfähigen Alter. Ihre Beschäftigung nimmt ab, die Arbeitslosigkeit steigt. Außerdem sind sie deutlich länger auf Jobsuche als Menschen ohne eine Schwerbehinderung, wie die folgenden Tabellen und Diagramme auf dieser Seite zeigen. 

Personenkreis2024
Menschen mit Schwerbehinderung7.929.325
Erwerbsfähige Menschen mit Schwerbehinderung3.100.000
Beschäftigte Menschen mit Schwerbehinderung1.123.000
Abeitslose Menschen mit Schwerbehinderung175.000

Quelle: Statisches Bundesamt / Bundesagentur für Arbeit | Stand: 31.12.2023 (jüngster Stand)

Behinderungsursachen in Prozent

Die Ursache einer Schwerbehinderung ist meist auf eine im Lebens­verlauf erworbene Krankheit zurückzuführen. Häufige Arten einer erworbenen Schwer­behin­derung sind Funktions­einschränkungen der Wirbel­säule, der Arme und Beine, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schädigungen der inneren Organe, etwa durch eine Krebserkrankung. 

Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: 31.12.2023 – der Bericht erscheint zweijährlich

Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf: Mehr als die Hälfte aller Menschen mit Schwerbehinderung sind über 65 Jahre. Etwa zwei Fünftel sind im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahre.
 

Menschen mit Behinderung nach Altersgruppen

Altersspanne201920212023
unter 4 Jahren17.00815.99515.820
4 bis unter 6 Jahren17.08218.31020.000
6 bis unter 15 Jahren114.153117.420129.310
15 bis unter 18 Jahren45.97046.66049.250
18 bis unter 25 Jahren127.187128.725129.665
25 bis unter 35 Jahren255.356251.065249.175
35 bis unter 45 Jahren353.716360.280373.675
45 bis unter 55 Jahren790.371700.760639.595
55 bis unter 65 Jahren1.664.4451.643.5501.636.045
65 und mehr4.517.6724.512.5654.619.795
Gesamt7.902.9607.795.3307.862.330

Quelle: Statistisches Bundesamt | Stand: 31.12.2023, der Bericht erscheint zweijährlich

Beschäftigung und Beschäftigungsquote

Alle Betriebe, die über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, sind gesetzlich verpflichtet, 5 Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Beschäftigten mit Schwerbehinderung zu besetzen. Erfüllen sie diese Quote nicht, so haben sie für jeden unbesetzten Pflichtarbeitsplatz eine Ausgleichsabgabe zu entrichten.

Beschäftigung

Die Zahl der Beschäftigten mit Schwerbehinderung, die sich aus dem Anzeigeverfahren nach dem Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) ergibt, ist laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dieses Wachstum ist wesentlich auf eine höhere Anzahl älterer Beschäftigter mit Schwerbehinderung zurückzuführen. Menschen mit Schwerbehinderung sind in einer Vielzahl verschiedener Branchen beschäftigt.

Branche2024
Verarbeitendes Gewerbe256.000
Öffentlicher Dienst220.000
Handel, Instandhaltung, Reparatur von Kfz96.000
Pflege und Soziales86.000
Gesundheitswesen83.000
Verkehr und Lagerei68.000
Qualifizierte Unternehmensdienstleistungen67.000
Erziehung und Unterricht42.000
Sonst. wirtsch. Dienstleistungen (o. Zeitarbeit)42.000
Finanzen und Versicherungen37.000
Sonstiges29.000
Information und Kommunikation29.000
Bergbau, Energie, Wasser25.000
Baugewerbe23.000
Gastgewerbe12.000
Zeitarbeit8.000
Land- und Forstwirtschaft2.000

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Jahresdurchschnitt 2023 (der Bericht erscheint zweijährlich)

Entwicklung der Arbeitslosigkeit

  • Arbeitslosigkeit

    + 6 %

    Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Schwerbehinderung stieg im Jahresdurchschnitt 2024 um 10.000 auf insgesamt 175.000.

  • Männer

    59 %

    59 Prozent waren Männer.

  • Frauen

    41 %

    Der Anteil der Frauen betrug 41 Prozent.

Qualifikation

Arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung haben deutlich öfter eine betriebliche und/oder schulische Ausbildung als Menschen ohne Schwerbehinderung. Im Durchschnitt sind Arbeitslose mit Schwerbehinderung daher etwas höher qualifiziert als Arbeitslose ohne Schwerbehinderung, wie die folgenden Diagramme (Bundesagentur für Arbeit, 2022) zeigen.
 

Die Infografik zeigt zwei Reihen mit je drei Kreisdiagrammen untereinander. Daraus geht hervor, dass Menschen mit Schwerbehinderung häufiger eine abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung haben als Menschen ohne Schwerbehinderung. Die akademische Abschlüsse haben Menschen ohne Schwerbehinderung dagegen doppelt so häufig.

Dauer der Arbeitslosigkeit

Für Arbeitslose mit Schwerbehinderung ist es trotz vergleichbarer Qualifikation schwieriger als für Menschen ohne Schwerbehinderung, wieder eine Beschäftigung zu finden.

Im Jahr 2024 waren von den arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung mehr Menschen langzeitarbeitslos als Menschen ohne Schwerbehinderung. Die nachstehenden Grafiken verdeutlichen den Unterschied.

Langzeitarbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderung

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Jahresdurchschnitt 2024

Langzeitarbeitslosigkeit bei Menschen ohne Behinderung

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Jahresdurchschnitt 2024